"Wie kann man als rational denkender Mensch gläubig sein?“ – diese Frage bewegt Dr. Michael Drawe immer wieder. Seit der Jugend begegne ihm häufig ein gefühlter Widerspruch zwischen Glaube und Vernunft, berichtete er. Schon während seines Studiums –Informatik und Mathematik- traf er auf Kommilitonen, die den Glauben für unvereinbar mit rationalem Denken hielten. „Sie lachten mich aus dafür, dass ich überhaupt in die Kirche gehe“, erzählt er. Das brachte ihn dazu, eigene Überzeugungen zu prüfen und zusätzlich katholische Religion zu studieren. Dort entdeckte er einen Zugang, der Zweifel nicht vollständig ausblendet.
„Man kann nicht alles erklären, aber es ist nicht unvernünftig, gläubig zu sein“, weiß er jetzt. Dieser Gedanke prägt Drawe. Am 15. November wird er im Dom zu Münster zum Ständigen Diakon geweiht. Künftig ist er für die katholische Kirche im Wangerland im Einsatz.
Drawe ist heute im Hauptberuf Lehrer für Mathematik, Informatik und katholische Religion. Er ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, stammt gebürtig aus Essen-Borbeck. Dort wurde er klassisch katholisch sozialisiert, engagierte sich als Messdiener, war Kommunionhelfer, Lektor, sowie im Jugendliturgiekreis und im Jugendchor. Nach dem Studium arbeitete er dann zunächst als Unternehmensberater, dann ging er ins Referendariat und promovierte parallel.
2009 wechselte er mit seiner Familie in die neue Wahlheimat: Sie zogen nach Waddewarden im Wangerland. 2021 begann er am katholischen Gymnasium, wo er auch pädagogischer Koordinator ist. „Das christlich geprägte Menschenbild hat mich dort sehr überzeugt“, schildert er. Drawe engagierte sich schon länger vielfältig in der Gemeinde. Pfarrer Lars Bratke fragte ihn, ob er sich einen Dienst als Diakon vorstellen könne. Ohnehin auf der Suche nach einer Möglichkeit, seine Freizeit sinnvoll gestalten zu können, sagte er zu. „Ich musste nicht lange überlegen, ich war sofort überzeugt und wollte mich gern einbringen.“ Seit 2022 absolviert er die Ausbildung gemeinsam mit zehn weiteren Männern, dazu finden pro Jahr etwa 16 Treffen in Münster statt.
In einem Ausbildungsprojekt besuchte Drawe ein Jahr lang Menschen, die neu in die Pfarrei gezogen sind. Er wollte Menschen nicht nur schriftlich begrüßen, sondern ihnen persönlich begegnen und den ersten Schritt in das Gemeindeleben zu erleichtern. Diesen Besuchsdienst kann er sich künftig weiter in der Pfarrei vorstellen – gerne zusammen mit anderen. Sein Wirkungsfeld als Diakon sehe er im Gottesdienst, etwa darin die Eucharistiefeier in der Kirche am Meer mitzugestalten. „Ich möchte meinen Beitrag im Predigtdienst leisten. Zu den gehören zu dürfen, die die Bibel im Gottesdienst auslegen können, ist schon ein Geschenk“, betont er.
Er wolle Menschen helfen, ihren Platz in der Kirche zu finden – und „Brücken bauen, damit Glaube im Alltag erfahrbar bleibt“, sagt er. Als Diakon möchte er auch in der Schule ansprechbar sein, nicht als Schulseelsorger, aber als einer im Team, der für pastorale Fragen ansprechbar sein kann. „Ich möchte in Schulgottesdiensten die Stola als Zeichen des Diakons tragen und Nachfragen provozieren“, beschreibt er das. Ein Diakon ist für Drawe ein Geistlicher der Kirche, aber kein Priester. „Er ist für dich da und wird dir helfen, Kirche zu verstehen.“
Neben seiner Arbeit als Lehrer an der Cäcilienschule Wilhelmshaven wird Drawe als Ständiger Diakon mit Zivilberuf im Seelsorgeteam der Gemeinde St. Benedikt Jever eingesetzt.
Bischof Heiner Wilmer weiht die elf Männer am 15. November um 14.30 Uhr im St.-Paulus-Dom zu Ständigen Diakonen. Das Bistum überträgt den Gottesdienst im Livestream unter www.bistum-muenster.de sowie auf seinem Facebook- und YouTube-Kanal.
Johannes Hörnemann
