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Ökumenischer Festgottesdienst zum Reformationstag 2026 in Schillig

01. November 2026 - Schillig, Oldenburger Land

Reformationstag: Wir dürfen der Angst nicht die Deutungshoheit über unsere Zukunft überlassen.

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Festgottesdienst zum Reformationstag unter dem Motto „Reformation neu feiern: Reset Hoffnung“ in der katholischen Kirche St. Marien in Schillig mit (von links nach rechts): Diakon Fredo Eilts, Bischof Thomas Adomeit, Pfarrer Andreas Bolten und Pfarrer Lars Bratke.

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„Wir dürfen der Angst nicht die Deutungshoheit über unsere Zukunft überlassen“, betonte Bischof Thomas Adomeit seiner Predigt.

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Im Festgottesdienst zum Reformationstag in der katholischen Kirche St. Marien in Schillig hielt Bischof Thomas Adomeit die Predigt.

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Pfarrer Andreas Bolten, Leiter des Pastoralen Raums Wilhelmshaven

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Pfarrer Lars Bratke aus Schillig

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Gesprächsrunde zum Thema „Hoffnung, die mich trägt…“ nach dem Festgottesdienst in der benachbarten ev.-luth. St.-Nikolai-Kirche in Schillig mit (von rechts nach links): Diakon Fredo Eilts, Pfarrer Andreas Bolten, Pfarrer Lars Bratke aus Schillig und Bischof Thomas Adomeit.

Unter dem Motto „Reformation neu feiern: Reset Hoffnung“ haben die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg und die katholische Kirche im Oldenburger Land am Reformationstag, 31. Oktober, einen ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Marien in Schillig gefeiert. In seiner Predigt hob Bischof Thomas Adomeit hervor, dass Hoffnung mitten in diese Welt gehöre. „Wir dürfen der Angst nicht die Deutungshoheit über unsere Zukunft überlassen“, so Bischof Adomeit.

„Wo wir bei Unrecht weggesehen oder geschwiegen haben, genügt kein ausgerufener Neustart. Da müssen wir Verantwortung übernehmen und etwas ändern. Hoffnung ohne Wahrhaftigkeit wäre billig. Wo Menschen herabgewürdigt und gegeneinander ausgespielt werden, wo demokratische Grundüberzeugungen angegriffen werden, dürfen wir nicht schweigen. Nicht in jeder Frage werden wir einer Meinung sein. Weil Gott jeden Menschen sieht, bleibt die Würde jedes Menschen Maßstab unseres Handelns“, betonte Bischof Adomeit in seiner Predigt. Über Strukturen und Zukunft müsse nachgedacht werden. Dabei sei Kirche aber nicht für sich selbst da, sondern solle das Evangelium weitersagen, zuhören, Menschen stärken und sich verändern denken.

In seiner Begrüßung sagte Pfarrer Lars Bratke aus Schillig, dass dieser Gottesdienst am Reformationstag angesichts der gesellschaftlichen und außenpolitischen Unruhen und zunehmenden Unsicherheiten bewusst ein Hoffnungszeichen setzen wolle.

Pfarrer Andreas Bolten, Leiter des Pastoralen Raums Wilhelmshaven, überbrachte zu Beginn des Gottesdienstes Grüße von Weihbischof Wilfried Theising und sagte: „Wir sind uns sicher, dass unsere Gesellschaft unsere Hoffnung und Sicherheit – Gewissheit im Vertrauen – braucht.“ Besonders in diesen besorgten Zeiten wollten die Kirchen in der Gesellschaft mitarbeiten, mitwirken und mitprägen. „Als Kirchen beanspruchen wir keine politische Mitte, wir können aber einen Zusammenhalt der Werte mitvertreten aus einer geistlichen Gründung, einen Zusammenhang anbieten, aus unserem Verständnis. Das uns das gemeinsam gelingt, dafür können wir gemeinsam beten“, so Bolten.

Reset Hoffnung – Gott fängt mit uns neu an

Glaube habe Konsequenzen, auch wenn es Mut koste, betonte Bischof Thomas Adomeit in seiner Predigt (zu Matthäus 10,26b–33). Christinnen und Christen müssten nicht allein die Welt retten. „Aber wir können Verantwortung für sie übernehmen. Wir haben etwas weiterzusagen: Niemand ist vergessen. Jeder Mensch ist kostbar. Gottes Liebe trägt. Und die Hoffnung lebt, weil Gott noch etwas mit dieser Welt vorhat.“

Gerade weil Gott der Maßstab sei, müssten Christinnen und Christen andere Mächte nicht zum Maßstab ihres Lebens machen. „Nicht die Angst vor dem Urteil anderer Menschen. Nicht den Druck, immer erfolgreich zu sein. Nicht die Meinung derer, die am lautesten auftreten. Das ist die Freiheit, von der Jesus spricht. Eine Freiheit, die nicht daraus entsteht, dass wir besonders stark wären. Sondern daraus, dass unser Leben in Gottes Hand liegt“, so Bischof Adomeit.

Gott sehe den einzelnen Menschen. „Nicht nur die Mächtigen und Bedeutenden. Nicht nur diejenigen, die etwas vorweisen können. Sondern jeden Menschen. Auch den, der sich selbst für unbedeutend hält. Gottes Liebe beginnt nicht erst dort, wo wir etwas vorweisen können. Sie kommt uns entgegen. Sie ist uns geschenkt in Jesus Christus. Aus dieser Gnade leben wir alle, evangelische und katholische Christinnen und Christen. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen“, sagte Adomeit.

Das bedeute nicht, „dass alles, was wir tun, richtig wäre. Wir können schuldig werden. Wir brauchen Vergebung und Veränderung. Aber unser Versagen ist nicht das letzte Wort über unser Leben. Das ist für mich der lebensbejahende Gedanke hinter ‚Reset Hoffnung‘: Wir müssen uns nicht erst selbst in Ordnung bringen, bevor wir hoffen dürfen. Wir dürfen hoffen, weil Gott uns nicht aufgibt.“

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Andreas Bolten, Leiter des Pastoralen Raums Wilhelmshaven; Pfarrer Lars Bratke aus Schillig und Diakon im pfarramtlichen Dienst Fredo Eilts aus der Kirchengemeinde Wangerland. Die musikalische Gestaltung lag bei Axel Scholz.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zu einem Imbiss mit Gespräch zum Thema „Hoffnung, die mich trägt…“ in die benachbarte ev.-luth. St.-Nikolai-Kirche in Schillig eingeladen. In dem moderierten Gespräch diskutierten Gemeindeglieder sowie Besucherinnen und Besucher des Festgottesdienstes mit Diakon Fredo Eilts, Pfarrer Andreas Bolten, Pfarrer Lars Bratke und Bischof Thomas Adomeit zum Thema, was als Stärkung und Kraftquelle dienen könne – im Alltag, aber auch im Urlaub, um zuversichtlich und hoffnungsvoll zu bleiben.

Text: ELKiO/Dirk-Michael Grötzsch